reformiert.lokal 8.1 - Wer ist eigentlich der Chef der Welt?

reformiert.: Logo der Zeitung reformiert. (Foto: Kirche Schweiz)
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Bitte beachten Sie, dass in der aktuellen Version des reformiert.lokal 8.1. die Angaben auf dem Stand bei Redaktionsschluss per 6. Juli 2026 beruhen. Bitte informieren Sie sich auf unserer Website über aktuelle Gottesdienste und Veranstaltungen.
Maja Ramsauer,
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Wer ist eigentlich der Chef der Welt?

Das fragte neulich ein junges Mädchen bei einer Familienfeier, zu der ich eingeladen war. Sie sass auf dem Boden und schob einen kleinen Lastwagen in ein Miniaturparkhaus. Ihre Eltern freuen sich, dass sie die Frage an die Pfarrerin neben sich weitergeben können. «Wer glaubst du denn, wer der Chef der Welt ist?», frage ich sie zurück. «Na, Gott, natürlich», kommt es prompt. «Und wie ist Gott so als Chef?» Das Mädchen überlegt. «Wir müssen alles machen, was Gott befiehlt.» Ich hake nach: «Meinst du, dein Papa hätte gerne einen Chef, der ihm nur Befehle austeilt?» Das Mädchen zuckt mit den Schultern. «Bei uns gibt immer die Mama die Befehle.» Ihre Eltern und ich beginnen zu lachen. Kindermund tut bekanntlich Wahrheit kund.

Gemeinsam überlegen wir, was einen guten Chef ausmacht und einigen uns darauf, dass das Wohl der Mitarbeitenden wichtig ist. So wie auch Gottes «Befehle» darauf ausgerichtet sind, dass es uns im Miteinander gutgeht. Dann ist wieder das Miniaturparkhaus mit dem Miniaturlift und den Miniaturautos spannender.

Jesus sagt: «Amen, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht annimmt wie ein Kind, wird nicht hineinkommen.» (Markus 10,15) Kinder vermögen es, die Welt neugierig zu betrachten, schwierige und manchmal unangenehme Fragen zu stellen (am liebsten an öffentlichen Orten, wo wir ihnen nicht ausweichen können), Beziehungen herzustellen, die uns ganz verborgen schienen, und mit naiver Freude alles anzunehmen, was da ist. Kinder glauben mit einer Selbstverständlichkeit, die beeindruckend ist. Da ist kein Platz für verkopftes Zerdenken oder zweifelnde Logik. Kinder lassen sich das Reich Gottes einfach schenken.

Im Laufe des Erwachsen werdens verändert sich dieser Glaube. Er stellt Fragen. Er macht Erfahrungen, gute wie schwierige. Er zweifelt. Er kommt vom Weg ab, vergisst. Als Kirche sehe ich unsere Aufgabe darin, diesen Weg zu begleiten, indem wir uns allen herausfordernden Fragen stellen, uns gemeinsam auf die Suche nach Antworten machen und auch aushalten, dass wir nicht immer eine haben. Nur wer Kinder ernst nimmt, kann erwarten, dass sie ihren Glauben ernst nehmen. Wer Kindern Gehör schenkt, wird zudem belohnt mit den kreativsten Bibelauslegungen, spannendsten Fragen und einer kindlichen Freude, die auch uns mal wieder ins Staunen bringen kann und uns die Welt aus kindlichen Augen betrachten lässt.
Elisabeth Görnitz, Pfarrerin

Pfarrerin
Elisabeth Görnitz
Eichstrasse 88
8713 Uerikon

043 543 96 53
079 240 04 08

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