reformiert.lokal 9.1 - Zwischen «Bro» und «Fräulein vom Amt»

reformiert.: Logo der Zeitung reformiert. (Foto: Kirche Schweiz)
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Bitte beachten Sie, dass in der aktuellen Version des reformiert.lokal 9.1. die Angaben auf dem Stand bei Redaktionsschluss per 13. Juli 2026 beruhen. Bitte informieren Sie sich auf unserer Website über aktuelle Gottesdienste und Veranstaltungen.
Maja Ramsauer,
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Zwischen «Bro» und «Fräulein vom Amt»
Warum eine Kirchgemeinde von verschiedenen Generationen lebt.


«Bro, das ist lowkey ein W.» «Das Fräulein vom Amt hätte das sofort geregelt.» Vielleicht stolpern Sie über einige oder mehrere Worte des ersten Satzes oder fragen sich, in welchem Jahrtausend es noch angebracht war, vom «Fräulein» zu reden.

Wo Menschen verschiedener Generationen zusammenkommen, treffen nicht nur unterschiedliche Lebensalter aufeinander. Es begegnen sich verschiedene Sprachen, Erfahrungen, Selbstverständlichkeiten und Erwartungen. Und trotzdem sitzen sie am selben Familientisch, wohnen Tür an Tür oder feiern gemeinsam Gottesdienst. Verschiedene Generationen haben unterschiedliche Prägungen: Da sind solche, deren Jugend durch den zweiten Weltkrieg geprägt war; da sind die sog. «Boomer», deren Jugend noch einmal anders geprägt als diejenige derer, die mit Smartphone, Pandemie und dem dringenderen Gespür für den Klimawandel gross werden oder geworden sind; und all das ist wiederum ganz anders als meine relativ sorglose Kindheit und Jugend in den 90ern und frühen 2000ern. In der Gestaltung des Lebens einer Kirchgemeinde bedeutet dies immer und andauernd: Kompromisse. Alle machen Kompromisse und niemand bekommt genau das, was er oder sie sich vorstellt. Aber Hand aufs Herz: das ist schon innerhalb derselben Generation so. Was für das Leben miteinander entscheidend ist, ist der Wille und das Interesse für die anderen. Fragt man Jugendliche, was sie bewegt oder was sie mögen, erzählen sie es meistens gerne.

Kirche ist (neben Familien und der Fussball-WM) einer der wenigen Orte, an denen Generationen sich überhaupt noch selbstverständlich begegnen. In der Kirche sitzen bei einem Gottesdienst ein zehnjähriges Kind, eine 45-Jährige und ein 87-Jähriger nebeneinander.

Gerade die Kirche lebt davon, dass nicht alle gleich sind. Paulus beschreibt die Gemeinde als einen Leib (s. 1 Kor 12): mit vielen Gliedern, unterschiedlichen Aufgaben und verschiedenen Begabungen. Was den einen selbstverständlich erscheint, ist den anderen fremd. Aber genau deshalb brauchen wir einander. Das Reich Gottes besteht nicht aus Menschen, die gleich denken, gleich sprechen oder gleich alt sind. Es wächst dort, wo wir einander zuhören, Unterschiede nicht als Bedrohung erleben und neugierig bleiben auf das, was die andere Generation einzubringen hat. Vielleicht ist das eine der grossen Stärken der Kirche: Sie bringt Menschen zusammen, die sich sonst kaum begegnen würden. Das ist nicht immer einfach. Aber vielleicht ist gerade darin etwas vom Reich Gottes sichtbar – dort, wo Unterschiede nicht trennen, sondern bereichern, und wo wir einander mit Respekt, Neugier und der Bereitschaft begegnen, voneinander zu lernen. Monika Götte, Pfarrerin

Pfarrerin Dr. theol.
Monika Götte
Kirchbühlstrasse 40
8712 Stäfa

043 543 96 51
079 903 00 92

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