reformiert.lokal 3.1 - Was heisst es, eine offene Gemeinde zu sein?

reformiert.: Logo der Zeitung reformiert. (Foto: Kirche Schweiz)
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Bitte beachten Sie, dass in der aktuellen Version des reformiert.lokal 3.1. die Angaben auf dem Stand bei Redaktionsschluss per 2. Februar 2026 beruhen. Bitte informieren Sie sich auf unserer Website über aktuelle Gottesdienste und Veranstaltungen.
Maja Ramsauer,
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Fastenzeit – Zeit für innere Reinigung

Nach dem Dry January und dem Veganuary befinden wir uns seit dem 18. Februar in der Fastenzeit vor Ostern. Auch der Ramadan hat am 18.Februar egonnen und dauert bis zum 20.März Christen fasten bis Ostersonntag, dieses Jahr am 5. April. Weitere christliche Fastenzeiten sind (vor allem bei den Orthodoxen) das Apostelfasten nach Pfingsten, die Marienfastenzeit im August und das Fasten im Advent vor Jesu Geburt. Zusätzlich fastete man früher jeden Mittwoch, weil an einem Mittwoch Judas Jesus verraten hat, und jeden Freitag im Gedenken an Jesu Kreuzigung. Bereits Moses fastete 40 Tage auf dem Berg Sinaï, danach empfing er Gottes Wort, und Jesus fastete nach seiner Taufe 40 Tage in der Wüste, bevor er öffentlich zu wirken begann.

In der westlichen Welt fasten heute wohl mehr Menschen aus gesundheitlichen Gründen oder um abzunehmen als aus religiöser Überzeugung. In Abnehmforen liest man, dass Fasten einerseits den Körper entschlackt und sogar positive Auswirkungen auf den Körper haben kann (Allergien, Haut, Blutdruck usw.), andrerseits auch den Geist und die Seele reinigt. Man hat mehr Energie, läuft entschleunigt und achtsamer durch die Welt, fühlt sich innerlich befreit. Das «Weniger ist mehr» löst Glücksgefühle aus, die vorher wortwörtlich zugestopft waren.

Mit der Reformation hat die Bedeutung des Fastens für die Gläubigen abgenommen. Zwingli sass am 9. März 1522 am Fastenbrechen beim Wurstessen im Hause Froschauer dabei. Fasten ist für die Reformierten keine Pflicht und schon gar kein Mittel, sich Gottes Gnade zu verdienen. Die Gnade schenkt uns Gott ohne Buchhaltung über unsere Verdienste (sola gratia).

Trotzdem kann Fasten auch ein geistlicher Gewinn sein: Wenn wir weniger essen und trinken, haben wir mehr Zeit, und Raum für Neues öffnet sich. Wir werden über unsere Gewohnheiten und über unser Leben nachdenken und uns dann der Frage nach dem Essentiellen des Lebens stellen. Dieses hat nichts mit Essen zu tun, das lateinische Wort esse heisst sein, und die Fragen lauten dann vielleicht: Wer sind wir, wer wollen wir sein? Was macht mein Sein lebens- und liebenswert? Ich wage hier mal eine Hypothese: Je weniger stoffliche Nahrung wir uns zuführen, um so mehr geistige Nahrung entwickeln wir, um so näher können wir Gott kommen.

Am Ende der Fastenzeit gibt es in jeder Religion ein Fest, bei uns Ostersonntag und Weihnachten. Oder: Nach dem Fasten kommt das Festen. Wir dürfen geistliche mit körperlichen Freuden vereinen. Gesegnete Mahlzeit!
Anne Roth


Anne Roth
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8712 Stäfa

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