Verantwortlich: Maja Ramsauer
Bereitgestellt: 30.03.2026
reformiert.lokal 4.1 - Von Hoffnung überrascht
Die neuste Ausgabe der Gemeindeseite reformiert.lokal der Kirchgemeinden Hombrechtikon und Stäfa finden Sie in Ihrem Briefkasten.
Bitte beachten Sie, dass in der aktuellen Version des reformiert.lokal 4.1. die Angaben auf dem Stand bei Redaktionsschluss per 9. März 2026 beruhen. Bitte informieren Sie sich auf unserer Website über aktuelle Gottesdienste und Veranstaltungen.
Bitte beachten Sie, dass in der aktuellen Version des reformiert.lokal 4.1. die Angaben auf dem Stand bei Redaktionsschluss per 9. März 2026 beruhen. Bitte informieren Sie sich auf unserer Website über aktuelle Gottesdienste und Veranstaltungen.
Maja Ramsauer,
Sie können die aktuelle Ausgabe » hier als Online-Version lesen.
Von Hoffnung überrascht
«An Weihnachten ist Jesus geboren, an Karfreitag gestorben und an Ostern auferstanden». So oder ähnlich erzählen wir einander bisweilen die Bedeutung unserer wichtigsten christlichen Feiertage (bisweilen schliessen wir auch noch Auffahrt und Pfingsten mit ein, das ist dann aber schon Christentum für Fortgeschrittene) und eine unschuldige Zuhörerin könnte aufgrund unserer Schilderung auf die Idee kommen, dass diese Abfolge für ein Leben ja völlig normal ist, Geburt, Tod, Auferstehung, denn eine grosse Pause wie vor einer Pointe oder weitgeöffnete Augen wie vor der grossen Überraschung schliessen wir zwischen «am Karfreitag gestorben» und «an Ostern auferstanden» in unsere Erzählung meistens nicht ein. Als wäre die Auferstehung die logische Folge eines jeden Lebens. Oder vielleicht gerade, weil die Auferstehung nicht unserer geläufigen Erfahrung von Leben und Tod entspricht, schnüren wir ein kleines Osterpaket, Karfreitag und Ostern, und jeder darf glauben, was er will – lieber keine Folgefragen riskieren.
Wenn wir uns mit Ostern und der Auferstehung Jesu etwas schwertun, sind wir in guter Gesellschaft mit den Evangelien. Denn auch bei Matthäus, Markus, Lukas und Johannes im Neuen Testament ringen die Autoren scheinbar um Worte um zu schildern, was da nach dem Tod Jesu eigentlich passiert ist: Markus bricht seine Erzählung mit dem leeren Grab ab, Lukas und Johannes skizzieren einen Jesus, der einerseits physisch anwesend ist und sogar isst, also kein Geist ist, und andererseits nicht immer wiedererkannt wird und durch Mauern gehen kann. Matthäus schildert wie alle anderen Evangelisten, dass Frauen (gelten in der Antike als unzuverlässige Zeuginnen), den Auferstandenen als Erste gesehen haben und er verzichtet auffälligerweise auf Zitate aus dem Alten Testament, als wäre er ebenso überrascht und sprachlos von der Wendung, die die Geschichte nimmt.
Ostern ist also in der christlichen Perspektive eine grosse, unerwartete und unerhörte Überraschung der Hoffnung1, die in die Welt bricht und Leben bringt, wo Tod und Trauer herrschen. Ostern, das Leben, die Hoffnung, sind die grosse Pointe, mit der Gott uns auch heute noch überraschen will.
Tobias Kuratle, Pfarrer
1 Diesen Begriff übernehme ich von N.T. Wrights Buch «Von Hoffnung überrascht»
Pfarrer
Tobias Kuratle
Eichstrasse 88
8713 Uerikon
043 543 96 52
Frühere Ausgaben:
Von Hoffnung überrascht
«An Weihnachten ist Jesus geboren, an Karfreitag gestorben und an Ostern auferstanden». So oder ähnlich erzählen wir einander bisweilen die Bedeutung unserer wichtigsten christlichen Feiertage (bisweilen schliessen wir auch noch Auffahrt und Pfingsten mit ein, das ist dann aber schon Christentum für Fortgeschrittene) und eine unschuldige Zuhörerin könnte aufgrund unserer Schilderung auf die Idee kommen, dass diese Abfolge für ein Leben ja völlig normal ist, Geburt, Tod, Auferstehung, denn eine grosse Pause wie vor einer Pointe oder weitgeöffnete Augen wie vor der grossen Überraschung schliessen wir zwischen «am Karfreitag gestorben» und «an Ostern auferstanden» in unsere Erzählung meistens nicht ein. Als wäre die Auferstehung die logische Folge eines jeden Lebens. Oder vielleicht gerade, weil die Auferstehung nicht unserer geläufigen Erfahrung von Leben und Tod entspricht, schnüren wir ein kleines Osterpaket, Karfreitag und Ostern, und jeder darf glauben, was er will – lieber keine Folgefragen riskieren.
Wenn wir uns mit Ostern und der Auferstehung Jesu etwas schwertun, sind wir in guter Gesellschaft mit den Evangelien. Denn auch bei Matthäus, Markus, Lukas und Johannes im Neuen Testament ringen die Autoren scheinbar um Worte um zu schildern, was da nach dem Tod Jesu eigentlich passiert ist: Markus bricht seine Erzählung mit dem leeren Grab ab, Lukas und Johannes skizzieren einen Jesus, der einerseits physisch anwesend ist und sogar isst, also kein Geist ist, und andererseits nicht immer wiedererkannt wird und durch Mauern gehen kann. Matthäus schildert wie alle anderen Evangelisten, dass Frauen (gelten in der Antike als unzuverlässige Zeuginnen), den Auferstandenen als Erste gesehen haben und er verzichtet auffälligerweise auf Zitate aus dem Alten Testament, als wäre er ebenso überrascht und sprachlos von der Wendung, die die Geschichte nimmt.
Ostern ist also in der christlichen Perspektive eine grosse, unerwartete und unerhörte Überraschung der Hoffnung1, die in die Welt bricht und Leben bringt, wo Tod und Trauer herrschen. Ostern, das Leben, die Hoffnung, sind die grosse Pointe, mit der Gott uns auch heute noch überraschen will.
Tobias Kuratle, Pfarrer
1 Diesen Begriff übernehme ich von N.T. Wrights Buch «Von Hoffnung überrascht»
Pfarrer
Tobias Kuratle
Eichstrasse 88
8713 Uerikon
043 543 96 52
Frühere Ausgaben:
reformiert.lokal 3.1 - Was heisst es, eine offene Gemeinde zu sein?
reformiert.lokal 2.1 - Was heisst es, eine offene Gemeinde zu sein?
reformiert.lokal 1.1 - «Siehe, ich mache alles neu! Offenbarung»
reformiert.lokal 12.1 - «Ein Bild, in dem die Zeit stillsteht»
reformiert.lokal 11.1 - «Ist Gott ein Mann?»
reformiert.lokal 10.1 - «Macht nur die Augen auf – alles ist schön!»
reformiert.lokal 9.1 - Bringt Social Media die Kirchgemeinde näher zusammen?
reformiert.lokal 8.1 - Freude mit Kindern in der Kirche
reformiert.lokal 7.1 - Ferien – Mußezeit und Musenzeit
reformiert.lokal 6.1 - Konfirmation – warum eigentlich?
reformiert.lokal 5.1 - Wer regiert hier eigentlich?
reformiert.lokal 4.1 - Warum Ostern so aktuell und wichtig ist
reformiert.lokal 2.1 - Was heisst es, eine offene Gemeinde zu sein?
reformiert.lokal 1.1 - «Siehe, ich mache alles neu! Offenbarung»
reformiert.lokal 12.1 - «Ein Bild, in dem die Zeit stillsteht»
reformiert.lokal 11.1 - «Ist Gott ein Mann?»
reformiert.lokal 10.1 - «Macht nur die Augen auf – alles ist schön!»
reformiert.lokal 9.1 - Bringt Social Media die Kirchgemeinde näher zusammen?
reformiert.lokal 8.1 - Freude mit Kindern in der Kirche
reformiert.lokal 7.1 - Ferien – Mußezeit und Musenzeit
reformiert.lokal 6.1 - Konfirmation – warum eigentlich?
reformiert.lokal 5.1 - Wer regiert hier eigentlich?
reformiert.lokal 4.1 - Warum Ostern so aktuell und wichtig ist

