reformiert.lokal 12.1 - «Ein Bild, in dem die Zeit stillsteht»

reformiert.: Logo der Zeitung reformiert. (Foto: Kirche Schweiz)
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Maja Ramsauer,
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«Ein Bild, in dem die Zeit stillsteht»


Es gibt Momente, in denen wir merken, dass wir uns selbst überholt haben. Wir haben zu viel gesprochen, zu schnell entschieden, waren atemlos, und nie wirklich da. Die Welt lobt solche Geschwindigkeit. Doch die Seele – sie hat ein anderes Tempo. Weihnachten ist ein stehendes Bild gegen das Tempo der Welt und der Advent die Entschleunigungsphase: Ein Stall, ein Ochse, ein Esel, ein Mann, eine Frau, eine Futterkrippe mit Stroh und darin ein Neugeborenes. Weihnachten hat sich uns eingeprägt als ein Bild. Es gibt andere Bilder von dieser Nacht: Hirten unter dem weiten Himmel, die sich kurz ausruhen, bevor ein Licht sie aufschreckt; und weit entfernt Männer aus dem Osten, die einem wandernden Stern folgen, mit Geschenken in ihren Händen und Fragen im Herzen. Aber immer wieder kehren wir zurück zu diesem einen Bild der Krippe, in dem alles stillsteht, und das uns einlädt, still zu werden.

Dieses Bild versammelt Menschen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Einige werden kurzfristig hineingezogen, ohne Vorbereitung, ohne Plan. Andere sind lange unterwegs. Manche haben gehofft und gerechnet, andere haben nie darüber nachgedacht und wurden überrascht. Und doch kommen sie alle beim Kind an. Früher oder später. Was mich dabei berührt: Diejenigen, die sich vorbereitet haben und lange suchten, brauchen mehr Zeit, bis sie bei dem Stall ankommen, als die, die keine Ahnung und auch kein Interesse hatten. Sie finden den Weg schneller, ohne Umwege über Paläste und Vorstellungen davon, wo Gott sein müsste. Vielleicht, weil sie mit einfachen Orten vertraut sind, wer weiss. Am Ende stehen sie gemeinsam an dem einen Ort, wo die Zeit stillsteht.

Und vielleicht liegt genau darin die leise Wahrheit dieser Nacht: Wir müssen nicht zuerst verstehen, nicht zuerst glänzen, nicht einmal zuerst glauben. Wir dürfen einfach ankommen. Alle in ihrem Tempo. Denn vor der Krippe zählt nicht, wie weit wir gereist sind, und auch nicht, wie gut wir vorbereitet sind. Dort zählt nur, dass wir da sind. Und dass wir still werden können. Und staunen darüber, dass Gott in die Welt kommt. Und zwar dort, wo ihn niemand erwartet hätte.

Vielleicht genügt das für den Anfang: Uns hinzustellen zu diesem Bild, still zu werden, auch wenn alles um uns rennt. Und uns daran erinnern zu lassen, dass Hoffnung nicht mit Tempo kommt, sondern mit Nähe. Und uns dann berühren zu lassen von dem, der nicht oben wartet, bis wir fertig sind, sondern zu uns kommt: Als Neugeborenes im Stroh einer Futterkrippe in einem Stall, eine Frau, ein Mann, ein Esel, ein Ochse. Ich wünsche Ihnen von Herzen gesegnete Weihnachten und Momente, in denen die Zeit stillsteht.
David Jäger, Pfarrer



Pfarrer
David Jäger
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8634 Hombrechtikon

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