Verantwortlich: Maja Ramsauer
Bereitgestellt: 30.01.2026
reformiert.lokal 2.1 - Was heisst es, eine offene Gemeinde zu sein?
Die neuste Ausgabe der Gemeindeseite reformiert.lokal der Kirchgemeinden Hombrechtikon und Stäfa finden Sie in Ihrem Briefkasten.
Bitte beachten Sie, dass in der aktuellen Version des reformiert.lokal 2.1. die Angaben auf dem Stand bei Redaktionsschluss per 12. Januar 2026 beruhen. Bitte informieren Sie sich auf unserer Website über aktuelle Gottesdienste und Veranstaltungen.
Bitte beachten Sie, dass in der aktuellen Version des reformiert.lokal 2.1. die Angaben auf dem Stand bei Redaktionsschluss per 12. Januar 2026 beruhen. Bitte informieren Sie sich auf unserer Website über aktuelle Gottesdienste und Veranstaltungen.
Maja Ramsauer,
Sie können die aktuelle Ausgabe » hier als Online-Version lesen.
Was heisst es, eine offene Gemeinde zu sein?
«Wir sind eine offene, lebendige Gemeinde». Klar. Wer würde schon auf die Kirchgemeinde-Website schreiben: «Wir sind eine geschlossene Gemeinde, die dahinserbelt»? «Offen», «lebendig», das sind Worte, mit denen sich manche Kirchgemeinden (so auch wir) gerne schmücken. Aber was heisst es, wirklich offen zu sein und das nicht nur als einladende Chiffre zu benutzen? Heisst offen, wir sind offen für alle, aber wenn sie dann kommen, müssen sie so werden, wie wir? So feiern wollen wie wir? Die Lieder gernhaben, die wir gernhaben? Klar, es ist einfacher, wenn man «gleich» denkt, sich gleich kleidet, gleich wählt, gleich feiert, das gleiche mag und das gleiche für gut und richtig hält. Aber ist das «offen»? Heisst offen sein nicht vielmehr: Wir wollen hören, was Ihr zu sagen habt. Wir wollen hören, wie Ihr feiern möchtet. Wir wollen hören, wie Ihr denkt. Wie Ihr glaubt. Was Ihr aus Eurem Glauben für Schlüsse zieht. Offene Gemeinde, ja offene Menschen, können wir nur sein, wenn wir ein echtes Interesse am Gegenüber haben. Wenn wir wirklich hören wollen, was einen anderen Menschen bewegt. Zugegeben, das ist nicht immer leicht. Wir wissen ja selbst oft zu gerne, wie es sein sollte und wie es richtig ist. Und Gemeinde ist immer auch Kompromiss (wie das Zusammenleben mit Menschen überhaupt). Offenheit ist kein Modewort und auch keine kirchliche Marketingidee. Sie ist zutiefst biblisch verankert. Wenn man im Neuen Testament nach einer «perfekten», homogenen Gemeinde sucht, wird man nicht fündig. Schon der Kreis der Jünger Jesu ist alles andere als einheitlich: Fischer und Zöllner, Eiferer und Zweifler, Draufgänger und Zauderer. Menschen mit sehr unterschiedlichen Biografien, politischen Haltungen und Temperamenten. Jesus hat sie nicht zuerst gleichgemacht – er hat sie zusammengerufen. Offenbar war ihm die Vielfalt nicht unangenehm, sondern wesentlich.
Besonders deutlich wird das an Pfingsten. Der Geist Gottes fällt nicht auf eine kleine, ausgesuchte Elite, sondern auf Männer und Frauen, Junge und Alte. Der Prophet Joel bringt es auf den Punkt: «Ich will meinen Geist ausgiessen über alles Fleisch.» (Joel 3,1) Über alle, nicht bloss über Richtige und Fertige. Verständigung, aber nicht Vereinheitlichung.
Offene Gemeinde heisst: Gott traut Menschen Unterschiedlichkeit zu. Und er traut uns zu, diese Unterschiedlichkeit auszuhalten. Offenheit bedeutet, darauf zu vertrauen, dass der Geist Gottes auch dort wirkt, wo es nicht unseren Vorstellungen entspricht. Dass er Menschen anspricht, die anders glauben, anders hoffen, anders feiern als wir. Vielleicht ist offene Gemeinde am Ende weniger eine Eigenschaft als eine Haltung. Eine Haltung der Neugier statt der Abwehr. Des Zuhörens statt des vorschnellen Wissens. Eine Haltung, die nicht fragt: «Passt du zu uns?», sondern: «Was bringst du mit?» Und die darauf vertraut, dass Gott selbst grösser ist als unsere Formen, unsere Lieder, unsere Gewissheiten. Offen zu sein ist kein Zustand, den man einmal erreicht und dann abhakt. Es ist eine Bewegung, ein Übungsweg – persönlich und als Gemeinde. Aber ein Weg, der sich lohnt. Weil auf ihm etwas von dem aufscheint, was Pfingsten verspricht: dass Gott mitten unter uns Raum schafft für Leben, Vielfalt und überraschende Begegnung. Monika Götte
Pfarrerin Dr. theol.
Monika Götte
Kirchbühlstrasse 40
8712 Stäfa
043 543 96 51
079 903 00 92
Frühere Ausgaben:
Was heisst es, eine offene Gemeinde zu sein?
«Wir sind eine offene, lebendige Gemeinde». Klar. Wer würde schon auf die Kirchgemeinde-Website schreiben: «Wir sind eine geschlossene Gemeinde, die dahinserbelt»? «Offen», «lebendig», das sind Worte, mit denen sich manche Kirchgemeinden (so auch wir) gerne schmücken. Aber was heisst es, wirklich offen zu sein und das nicht nur als einladende Chiffre zu benutzen? Heisst offen, wir sind offen für alle, aber wenn sie dann kommen, müssen sie so werden, wie wir? So feiern wollen wie wir? Die Lieder gernhaben, die wir gernhaben? Klar, es ist einfacher, wenn man «gleich» denkt, sich gleich kleidet, gleich wählt, gleich feiert, das gleiche mag und das gleiche für gut und richtig hält. Aber ist das «offen»? Heisst offen sein nicht vielmehr: Wir wollen hören, was Ihr zu sagen habt. Wir wollen hören, wie Ihr feiern möchtet. Wir wollen hören, wie Ihr denkt. Wie Ihr glaubt. Was Ihr aus Eurem Glauben für Schlüsse zieht. Offene Gemeinde, ja offene Menschen, können wir nur sein, wenn wir ein echtes Interesse am Gegenüber haben. Wenn wir wirklich hören wollen, was einen anderen Menschen bewegt. Zugegeben, das ist nicht immer leicht. Wir wissen ja selbst oft zu gerne, wie es sein sollte und wie es richtig ist. Und Gemeinde ist immer auch Kompromiss (wie das Zusammenleben mit Menschen überhaupt). Offenheit ist kein Modewort und auch keine kirchliche Marketingidee. Sie ist zutiefst biblisch verankert. Wenn man im Neuen Testament nach einer «perfekten», homogenen Gemeinde sucht, wird man nicht fündig. Schon der Kreis der Jünger Jesu ist alles andere als einheitlich: Fischer und Zöllner, Eiferer und Zweifler, Draufgänger und Zauderer. Menschen mit sehr unterschiedlichen Biografien, politischen Haltungen und Temperamenten. Jesus hat sie nicht zuerst gleichgemacht – er hat sie zusammengerufen. Offenbar war ihm die Vielfalt nicht unangenehm, sondern wesentlich.
Besonders deutlich wird das an Pfingsten. Der Geist Gottes fällt nicht auf eine kleine, ausgesuchte Elite, sondern auf Männer und Frauen, Junge und Alte. Der Prophet Joel bringt es auf den Punkt: «Ich will meinen Geist ausgiessen über alles Fleisch.» (Joel 3,1) Über alle, nicht bloss über Richtige und Fertige. Verständigung, aber nicht Vereinheitlichung.
Offene Gemeinde heisst: Gott traut Menschen Unterschiedlichkeit zu. Und er traut uns zu, diese Unterschiedlichkeit auszuhalten. Offenheit bedeutet, darauf zu vertrauen, dass der Geist Gottes auch dort wirkt, wo es nicht unseren Vorstellungen entspricht. Dass er Menschen anspricht, die anders glauben, anders hoffen, anders feiern als wir. Vielleicht ist offene Gemeinde am Ende weniger eine Eigenschaft als eine Haltung. Eine Haltung der Neugier statt der Abwehr. Des Zuhörens statt des vorschnellen Wissens. Eine Haltung, die nicht fragt: «Passt du zu uns?», sondern: «Was bringst du mit?» Und die darauf vertraut, dass Gott selbst grösser ist als unsere Formen, unsere Lieder, unsere Gewissheiten. Offen zu sein ist kein Zustand, den man einmal erreicht und dann abhakt. Es ist eine Bewegung, ein Übungsweg – persönlich und als Gemeinde. Aber ein Weg, der sich lohnt. Weil auf ihm etwas von dem aufscheint, was Pfingsten verspricht: dass Gott mitten unter uns Raum schafft für Leben, Vielfalt und überraschende Begegnung. Monika Götte
Pfarrerin Dr. theol.
Monika Götte
Kirchbühlstrasse 40
8712 Stäfa
043 543 96 51
079 903 00 92
Frühere Ausgaben:
reformiert.lokal 1.1 - «Siehe, ich mache alles neu! Offenbarung»
reformiert.lokal 12.1 - «Ein Bild, in dem die Zeit stillsteht»
reformiert.lokal 11.1 - «Ist Gott ein Mann?»
reformiert.lokal 10.1 - «Macht nur die Augen auf – alles ist schön!»
reformiert.lokal 9.1 - Bringt Social Media die Kirchgemeinde näher zusammen?
reformiert.lokal 8.1 - Freude mit Kindern in der Kirche
reformiert.lokal 7.1 - Ferien – Mußezeit und Musenzeit
reformiert.lokal 6.1 - Konfirmation – warum eigentlich?
reformiert.lokal 5.1 - Wer regiert hier eigentlich?
reformiert.lokal 4.1 - Warum Ostern so aktuell und wichtig ist
reformiert.lokal 3.1 - Kirchenpfleger:in – ein Amt für mich?
reformiert.lokal 2.1 - Das Kirchenjahr
reformiert.lokal 12.1 - «Ein Bild, in dem die Zeit stillsteht»
reformiert.lokal 11.1 - «Ist Gott ein Mann?»
reformiert.lokal 10.1 - «Macht nur die Augen auf – alles ist schön!»
reformiert.lokal 9.1 - Bringt Social Media die Kirchgemeinde näher zusammen?
reformiert.lokal 8.1 - Freude mit Kindern in der Kirche
reformiert.lokal 7.1 - Ferien – Mußezeit und Musenzeit
reformiert.lokal 6.1 - Konfirmation – warum eigentlich?
reformiert.lokal 5.1 - Wer regiert hier eigentlich?
reformiert.lokal 4.1 - Warum Ostern so aktuell und wichtig ist
reformiert.lokal 3.1 - Kirchenpfleger:in – ein Amt für mich?
reformiert.lokal 2.1 - Das Kirchenjahr

