reformiert.lokal 7.1 - Ferien – Mußezeit und Musenzeit

reformiert.: Logo der Zeitung reformiert. (Foto: Kirche Schweiz)
Die neuste Ausgabe der Gemeindeseite reformiert.lokal der Kirchgemeinden Hombrechtikon und Stäfa finden Sie in Ihrem Briefkasten.

Bitte beachten Sie, dass in der aktuellen Version des reformiert.lokal 7.1 die Angaben auf dem Stand bei Redaktionsschluss per 9. Juni 2025 beruhen. Bitte informieren Sie sich auf unserer Website über aktuelle Gottesdienste und Veranstaltungen.
Maja Ramsauer,
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Ferien – Mußezeit und Musenzeit

Die Ferienzeit ist bei uns eine Zeit der Entschleunigung. Da viele Leute wegfahren (und nur wenige Ferien in Stäfa machen), ist es leerer als sonst im Jahr. Es gibt mehr Platz in Bus und Zug, in der Tiefgarage und in den Gängen der Supermärkte. Wir bewegen uns langsamer, da keiner da ist, der sich vordrängt. Chöre und Musiken stellen ihre Proben ein, viele Aktivitäten pausieren und das kulturelle Angebot wird überschaubar. Der Lärmpegel sinkt – ausser in der Badi, wo es nichts Schöneres als fröhliche Kinderstimmen gibt. Selbst für diejenigen, die unbeirrt weiterarbeiten, sind die fünf Wochen Schulferien weniger stressig, denn wir Zurückgebliebenen werden auch innerlich ruhiger.

Nun haben wir Muße, uns Dingen zu widmen, für die wir sonst nicht genug ruhige Zeit haben, z.B., falls wir es noch nicht gemacht haben, das Ausfüllen der Steuererklärung. Das fällt nach klassischer Definition allerdings nicht unter Muße, denn es ist doch irgendwie Arbeit, und in der Antike war Muße das, was neben der notwendigen Arbeit und Erholung den Geist bereicherte, die Sinne schärfte und uns zum Menschen machte, das, wodurch wir uns von den Tieren unterscheiden. Und da sind wir schon bei den Musen: Die Wissenschaft, die Künste, Musik, Theater, Tanz, Bücher schreiben und Bücher lesen, das ist Muße und gleichzeitig ist es Dienst an den Musen, die diese Betätigungen verkörpern, ein Dienst, der immer uns und manchmal auch unsere Mitmenschen bereichert. Die Musen inspirieren uns, sie hauchen uns nach griechisch-römischer Vorstellung den göttlichen Atem der erfüllenden Beschäftigung ein. Öffnen wir unser Herz für Gott und die schöpferische Inspiration.

Wenn wir in den Sommerferien nicht am Ecstatic Dance tanzen können, weil er Sommerpause macht, tanzen wir doch einfach zuhause zu unserer Lieblingsplaylist (Radio geht auch). Oder lesen wir in Dem Buch oder in einem andern guten Buch, gehen wir in ein Museum oder an ein Open Air. Schwatzen wir mit einem lieben Nachbarn oder auch mit einem, der uns bisher nervte, vielleicht finden wir im Frieden der Sommerferien einen gemeinsamen Ton. Oder halten wir einmal eine längere Zeit inne und horchen auf unser Inneres, auf einem Stäfa-Bänkli oder auf Steinen am See. In den Sommerferien haben wir Zeit und Raum, uns, unseren Nächsten und Gott neu zu begegnen.
Ich wünsche Ihnen wunder-volle Sommerferien!
Anne Roth

Anne Roth
Gartenstr. 4
8712 Stäfa

043 811 75 05

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