In Erinnerung an Michael Stollwerk 5. März 1962 – 4. Mai 2023

Michael Stollwerk (Foto: Monika Götte)
Liebe Gemeinde
Wenn Sie diese Zeilen lesen, sind schon ein paar Wochen vergangen, seit uns die Nachricht von Michael Stollwerks plötzlichem Tod unverhofft getroffen und tieftraurig zurückgelassen hat.
Monika Götte,
An dieser Stelle möchte ich ein paar Erinnerungen mit Ihnen teilen und Michaels Wirken in unserer Gemeinde würdigen.

Michael Stollwerks Geschichte mit unserer Kirchgemeinde begann am Ostermontag, 28. März, 2016 in Venedig.
Die kleine evangelisch-lutherische Kirche befand sich wenige hundert Meter von unserem Hotel entfernt und ich wollte Ostern nicht ohne Gottesdienstbesuch vorbeigehen lassen. Der Pfarrer der dortigen deutschsprachigen Gemeinde hatte zurzeit Unterstützung von einem Tourismusseelsorger mit Namen Michael Stollwerk. Dieser hielt eine lebendige, ansprechende und begeisternde Osterpredigt. Ich erinnere mich noch sehr genau: Er sprach von den Touristen in Venedig und wie wichtig es heute für uns sei, Dinge in Bildern festzuhalten, die man für sich in Erinnerung behalten möchte. Damals, als es das erste Mal Ostern wurde, habe man keine Fotos machen können, auch nicht vom auferstandenen Christus. Und doch habe dieser bei den Menschen einen bleibenden Eindruck hinterlassen, ein inneres Bild, eine Prägung für die Zukunft.
Einen bleibenden Eindruck hinterliess auch der Prediger bei mir und meinem Mann, sofort dachten wir an die zu besetzende Pfarrstelle in Stäfa. Beim Apéro nach dem Gottesdienst kamen wir mit Michael ins Gespräch und ich fragte ihn spontan, ob er eine Stelle suche. Das verneinte er zwar, war aber dennoch interessiert zu hören, um was für eine Gemeinde es ginge und was für eine Pfarrperson wir suchten. «So etwas wie einen missionarischen Cowboy» sagte ich. Er meinte, dann sei er unser Mann.
Und so war es dann auch.

Ich erzähle diese Geschichte, weil sie so sprechend ist für vieles, was wir mit Michael erlebten. Dieses völlig unverhoffte Zusammentreffen, wie eine Fügung, und ein tiefes Verstehen füreinander von Anfang an. Michael hinterliess bei vielen Menschen einen bleibenden Eindruck durch seine Persönlichkeit und das, was er von sich und seinem Glauben weitergab.
In den fast sieben Jahren in unserer Gemeinde vermochte er es, frisch und fromm, tiefgründig und ansprechend über den Glauben zu sprechen, mit Bildern und Geschichten, passenden Sprüchen und viel Humor. Und doch immer existenziell und relevant.
Gerne griff er auch zur Gitarre oder seiner «Brüllbox» mit passenden Playbacks und sang: In der Kirche, in den Quartieren, vor der Migros, beim Kirchenbanking und manch anderen Orten.
Er war in allem, was er tat, ein präsenter und intensiver Mensch, der für seine Kirche und den Glauben brannte. Er litt aber auch an der gesellschaftlichen Gleichgültigkeit gegenüber der Kirche und dem Glauben. In seinem Engagement für eine Sache ging manchmal auch sein Temperament mit ihm durch. Dann konnte er auch scharf sein und pointierte Voten kundtun, mit denen er zum Teil heftige Reaktionen hervorrief.

Michael konnte aber auch ein ganz ruhiger und nachdenklicher Mensch sein, der stundenlang alleine auf dem Fahrrad unterwegs war und den es immer wieder ins Kloster nach Rapperswil zog, wo er auch die erste Zeit in der Schweiz gewohnt hat. Was ihm begegnete an Eindrücken und Stimmungen sog er auf und brachte seine Gedanken dazu dann wieder in Gespräche, Texte und Predigten ein.
Bei seinen Touren und auch bei seinem Unterwegssein im Dorf war er immer auch offen für Begegnungen. Ich kenne keinen anderen Menschen, der so unbedarft und herzlich auf andere zugehen konnte und der bei jeder Gelegenheit irgendwo neue Leute kennenlernte. Daraus ergaben sich manche Verbindungen und Gespräche.

Michael genoss die Gemeinschaft. Mit den Menschen, die ihm am nächsten waren, mit Freunden, Mitarbeitenden der Kirchgemeinde und der Gemeinde überhaupt.

Unsere Zusammenarbeit im Pfarrkonvent prägte ein Charakter von Offenheit, Ehrlichkeit und Freundschaft. Ein füreinander Dasein, sich umeinander sorgen und theologisch miteinander arbeiten können. Dazu brachte er immer auch seine herrlichen und verrückten Ideen ein, um das Evangelium den Menschen nahe zu bringen.

Unsere Kirchgemeinde verliert einen Pfarrer, der seinen Beruf als Berufung lebte. Er hat viele Menschen etwas von Gottes Dasein für uns spüren lassen.
Und voller Dankbarkeit können wir auch sagen, dass Gott durch ihn viel zum Segen gewirkt hat in unserer Gemeinde.
Für viele von uns ist er zu einem wichtigen Wegbegleiter geworden auf dem Weg des Glaubens, für mich und viele andere auch zu einem lieben Freund.

Er wollte noch viel vom Leben. Und doch war er gewiss, dass wenn seine Tage auf dieser Welt gezählt sein würden, er in Gottes herrliche Ewigkeit eingehen würde.
Der Glaube an Christus trug ihn in seinem Leben – ich bin gewiss, Er trägt ihn nun in Ewigkeit.

An diesem Glauben mögen wir festhalten. Das wäre ganz in Michaels Sinne.

Monika Götte

Dieser Text erscheint in reformiert.lokal Nr. 6.1.