Ohne Gott. Nur Liebe.

Meine Bilder (Foto: David Jäger)
Vierteiliger Kurs zum Hohelied mit Jean Pierre Bünter und David Jäger
David Jäger,
Diesen Herbst beschäftigen wir uns mit dem alttestamentlichen Buch «Das Hohelied»: Eine junge Frau sehnt sich nach den Küssen ihres Geliebten, dieser preist ihre körperlichen Vorzüge. Im Clinch mit der Gesellschaft treffen sich die beiden abseits in einem paradiesischen Garten.

So steht es geschrieben in einem der berühmtesten Bücher der Bibel, das allerdings auf der Kanzel eher stiefmütterlich oder gar nicht behandelt wird: im Hohelied. Dagegen wird «Das Lied der Lieder», wie es eigentlich heisst, im Judentum jeweils an Pessach als Festrolle ganz gelesen. Das Wort Gott kommt darin gar nicht vor, eventuell in einer Andeutung. Und man fragt sich, was dieser Text eigentlich in der Bibel zu suchen hat.

Jahrtausende lang wurde diese Frage so gelöst, indem das Hohelied allegorisch gelesen wurde: Das Liebespaar bedeute eben Gott und seine Braut Israel oder Christus und seine Braut, die Kirche. Die schöne Schwarze (Hld 1,5) entpuppte sich als die Gottesmutter Maria. Gegen diese Vergeistigung lehnten sich TheologInnen des letzten Jahrhunderts auf: Die Liebesgeschichte sei wörtlich zu nehmen, es gehe um die Würdigung der erotischen Liebe als Gottesgeschenk. Die Bibel ist ja keineswegs so körperfeindlich, wie gewisse christliche Tendenzen suggerieren.

In neuester Zeit versucht man hingegen, dieses «Lied der Lieder» im Kontext der ganzen Bibel zu lesen. Die bisherigen Deutungen sollen dabei nicht abgewertet, sondern sinnvoll ergänzt werden.
Versteckt sich in diesem Hohelied nicht eine Art Anleitung zu gelingender Liebe? Werden da nicht die Konflikte zwischen den individuellen Bedürfnissen und Sehnsüchten der Liebenden einerseits und den Normen der Gesellschaft andererseits verhandelt?

An drei Abenden werden der theologische Germanist Jean Pierre Bünter und Pfarrer David Jäger den wunderbaren Text gemeinsam lesen und entdecken. Die Abende sind strukturiert als eine Art «angeleitete Lektüre»: Nahe am Text referiert Bünter in kurzen Inputs die vielfältigen Deutungsmöglichkeiten des Textes und versucht im Dialog mit Jäger den Hintergründen des Textes auf die Schliche zu kommen. Der Text wird gemeinsam gelesen und es werden Fragen besprochen.

Am vierten Abend kommt der Luzerner Alttestamentler Prof. Dr. theol. Matthias Ederer nach Hombrechtikon und erläutert, wie die heutige wissenschaftliche Theologie mit diesem tiefgründigen Text umgeht.

Wer sich auf diese Lese- und Vortragsreihe einlässt, wird es am Schluss bedauern, dass sie kurz gewesen ist, denn es verspricht, spannend zu werden.

Eine Anmeldung ist nicht nötig, wir freuen uns auf Ihren Besuch!
Jean Pierre Bünter und David Jäger

Freitag, 28. Oktober 2022
Donnerstag, 3. November 2022
Freitag, 18. November 2022
Donnerstag, 24. November 2022


jeweils um 19.30 Uhr im Kirchgemeindehaus Blatten in Hombrechtikon